Über die Ziele… In Bezug auf die Veränderungsprozesse

03.11.2020

Autor: Dr. Alexander Bazhin

Im Allgemeinen geht das Nachdenken über den Sinn und Zweck der Dinge auf die antiken Philo­sophen zurück. Die Atomisten stellten die Frage „Warum?“ und meinten dabei „Worauf ist dieses Ereignis zurückzuführen?“

Alexander Bazhin liveSie wollten also den Grund der Sache erkunden. Denn die Frage „Welchem Zweck hat dieser Vorgang gedient?“ stellten vor allem Platon und Aristoteles und gründeten damit eine Lehre mit dem sehr schön klingenden Namen Teleologie. Wobei die beiden Philoso­phen sich darin unterscheiden, dass Platon und seine Mitstreiter äußere Zweckursachen (z. B. Logos, Ideen oder Götter) priesen und Aristoteles uns dagegen mit der inneren Teleologie (dem Streben jedes Individuums nach bestimmten Zielzuständen – Entelechie) reichlich beschenkte. daraus ziehe ich etwas Wichtiges für mich. Und zwar, dass jedes Ereignis auf zweierlei Weise betrachtet werden kann: Was ist der Grund des Ereignisses, also wie erklären wird dieses mechanistisch, und was ist das Ziel des Ereignis­ses, wie beschreiben wir es also teleologisch.

Ziele sind bei den Verän­derungsprozessen nicht wegzudenken. Der Grund jeder Veränderung liegt auf der Hand – wie wollen etwas verändern. Sei es unsere Arbeits- oder Privatsituation, persönliche Eigenschaften, sei es, dass wir eine Entscheidung treffen oder ein Problem lösen wollen. Demnach befruchten die Ziele unsere Veränderungsprozesse, setzen diese In Gang. Aber das Erreichen eines gesetzten Ziels bedeutet nicht nur das Ende des durchgeführten Veränderungsprozesses, sondern gleichzeitig auch das Setzen eines neuen Ziels, das uns zum nächsten Zustand unseres Daseins führt, und so weiter. Daraus schließe ich etwas Wichtiges: Um sich durch Veränderungspro­zesse

weiterzuentwickeln, darf man auf dem Erreichten nicht lang verweilen, sondern wir müssen uns neue Ziele setzen oder gar Visionen bilden, wenn auch Helmut Schmidt gesagt haben soll: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“.

Der Duden definiert „Ziel“ als „Punkt oder Ort, zu dem jemand kommen will“. Das Wort „kom­men“ in dieser Definition gefällt mir sehr, da der Begriff auch einen Weg oder Prozess inkludiert. Diesen Prozess kann man Zielerreichung nennen. Den genauen Plan, wie wir dabei vorgehen und welche „Utensilien“ uns auf dem Weg Hilfe leisten, um unser Ziel zu erreichen, stellt die Strategie zur Zielerreichung dar. Jeden Weg begehen wir von einem bestimmten Punkt aus, diesen Punkt können wir als Zielformulierung oder auch als Zielsetzung bezeichnen.

Trotz der kritischen Äußerung von Altkanzler Schmidt sind Visionen als Zukunftsentwürfe eine gute Sache! In der Wirtschaft bzw. im Projektmanagement versteht man darunter die langfris­tige Ausrichtung eines Unternehmens. Anders ausgedrückt – wohin die Reise mit dem Ganzen gehen soll. Und die Reise darf nicht kurzfristig sein! Um ein guter Visionär zu sein, musst du mindestens 3–5 Jahre vorausschauen können.

 

Im Kontext einer Persönlichkeit geht die Vision in die Rich­tung, unsere Wachstumsbedürfnisse zu stillen. Einige Menschen streben nach Einfluss und Macht oder nach Respekt und Status, als Teile sogenannter Geltungsbedürfnisse, die unter Umständen eine dezidierte Vision sein können. Andere Menschen setzen sich mit der Selbstverwirkli­chung in Form der Kreativität auseinander, der Herausforderung, oder der Authentizität. Bei dieser Auseinander­setzung geht es wahrlich um die Erreichung der Hauptziele, also die Verwirklichung unserer Visionen.

Und nun eine komplexe Frage: Warum ist es wichtig, eine Vision zu haben? Eine mögliche Antwort wäre, dass Visionen gewissermaßen unseren Lebenszielen oder bzw. deren Vorstufen ähnlich sind. Und wie wir wissen, geben uns Lebensziele uns (i) eine Richtung im Leben, (ii) motivieren sie uns und (iii) stärken sie uns in schwierigen Lebenssituationen. Ich finde Visionen auch aus einem anderen Grund enorm wichtig, weil wir bei der Auseinander­setzung mit Visionen unsere reflexiven Fähigkeiten zur Geltung bringen. Über Visionen zu reflektieren, zwingt uns, den Bereich der Defizitbedürfnisse zu verlassen und uns in die Richtung der Wachstums­bedürfnisse zu begeben.

 

… darüber unterhalten wir uns in meinem Workshop „Ziele als Erfolgsfaktor“ in der Skyline Academy in Frankfurt.

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